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Macht Wassersparen Sinn?

Jeder kennt die alljährlichen Berichte über den Wassermangel in der Welt. Und haben wir nicht schon als Kinder gelernt, dass beim Zähnputzen - der Umwelt zuliebe - der Wasserhahn nicht laufen soll? Sicher: Zum Verschwenden ist Trinkwasser viel zu schade. Schließlich ist es ein hochwertiges Produkt, ein bewusster Umgang sollte selbstverständlich sein. Es gibt in unserer Region jedoch keinen Grund, mit Wasser zu sparen - weder aus ökologischer noch aus ökonomischer Sicht.

Wasserreiches Deutschland

Anders als in vielen Regionen der Erde herrscht bei uns kein Wassermangel. Durch die klimatischen Verhältnisse bedingt, leben wir in einem wasserreichen Land. Hohe Niederschlagsmengen und eine nachhaltige Gewässerbewirtschaftung stellen sicher, dass sich die Wasservorräte immer wieder erneuern.

Nur drei Prozent für die Wasserversorgung

Im langjährigen Mittel stehen im Bundesgebiet rund 188 Milliarden Kubikmeter Wasser zur Verfügung. Davon werden insgesamt 19 Prozent dem Wasserkreislauf entnommen und diesem nach Gebrauch wieder zugeführt. 81 Prozent des Wasserdargebotes bleiben ungenutzt.

Die öffentliche Wasserversorgung nutzt lediglich drei Prozent des vorhandenen Angebotes. Bergbau, Landwirtschaft und Verarbeitendes Gewerbe kommen zusammen auf einen Anteil von etwa vier Prozent. Mit 22,5 Milliarden Kubikmetern (etwa 12 Prozent des Dargebotes) sind die Wärmekraftwerke der größte Wassernutzer. Sie entnehmen nahezu ausschließlich Oberflächenwasser für Kühlzwecke.

Wasser schützen ist besser

Die Agenda 21 ordnet das Wasser den Kreislaufressourcen zu. Sie grenzt es damit deutlich von den nicht erneuerbaren Ressourcen ab, bei denen eine möglichst restriktive Nutzung geboten ist. Wasser ist kein begrenzter Rohstoff wie beispielsweise Kohle oder Erdöl. Nur ist es leider, global gesehen, ungleich verteilt. Nach Gebrauch und Reinigung gelangt es im natürlichen Wasserkreislauf immer wieder zu uns zurück. Kein Tropfen geht dabei verloren, denn Wasser wird gebraucht und nicht verbraucht!

In einem wasserreichen Land wie Deutschland macht Wassersparen aus ökologischen Gründen keinen Sinn. Wir können das gesparte Wasser nicht auf ein Bankkonto einzahlen und dort für "schlechte Zeiten" aufbewahren. Und die unter Wassermangel leidenden Regionen in anderen Teilen der Welt haben dadurch nicht einen Tropfen Wasser mehr. Schwerpunkt ist, die Umweltressource Wasser möglichst wenig zu belasten.

Wassersparen hat seinen Preis

Etwa 80 bis 90 Prozent der Kosten eines Wasserversorgungsunternehmens sind mengenunabhängige Fixkosten, dazu gehören unter anderem Aufwendungen für das Rohrleitungsnetz und die Wasserwerke. Sie bleiben unverändert, egal wie viele Kubikmeter tatsächlich durch die Leitungen fließen. Sinkt also der allgemeine Wassergebrauch, müssen die anfallenden festen Kosten auf eine kleinere Zahl von Kubikmetern umgelegt werden. Dadurch steigt tendenziell der Kubikmeterpreis.

Eine weitere Reduzierung des häuslichen Wassergebrauches ist zwar denkbar, jedoch nicht in jedem Fall vorteilhaft. So muss zum Beispiel das Trinkwassernetz immer eine Wasserströmung aufweisen, denn längere Standzeiten könnten die Trinkwasserqualität auch hygienisch beeinträchtigen. Das zwingt die Wasserversorgungsunternehmen zum Handeln: Sie müssen das Leitungsnetz häufiger spülen, selbstverständlich mit Trinkwasser. Zu einer tatsächlichen Trinkwassereinsparung kommt es nicht, und Kosten für zusätzliche Sicherungs- und Reinigungsmaßnahmen entstehen. 

So paradox es klingt: Wird weniger Wasser gebraucht, steigt der Preis. Würde die Wasserabgabe konstant bleiben oder gar steigen, wäre die Preissituation deutlich entspannter. Wenn Trinkwasser also so günstig wie bisher bleiben soll, müsste der Gebrauch auf den gegenwärtigen Mengen verstetigt werden.