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Sind Kupfermaterialien und Einbaufehler die wahren Ursachen für Lochfraß?

Unerklärliche Schäden an Kupferleitungen in Hausinstallation bewegen zurzeit die Gemüter im Raum Dorsten. Nachdem vereinzelte Sanitärfachbetriebe von ihren Kunden zum Austausch der undicht gewordener Trinkwasserleitungen aufgefordert worden waren, glaubten diese das Trinkwasser als Verursacher ausgemacht zu haben.

Kupferkorrosion heißt das sehr selten auftretende unerklärliche Phänomen, das wenige Jahre nach dem Einbau oder Inbetriebnahme von Kupferleitungen in Neu- oder Umbauten auftreten kann. Bisher bekannte Ursachen sind Materialmängel, Lager- oder Einbaufehler, die nicht nur die Bildung der natürlichen Schutzschicht in den Kupferleitungen verhindern, sondern die Korrosion dieses edlen Metalls fördern. Anders als in anderen Regionen glaubten Installateure, das RWW-Wasser sei die Ursache gewesen und habe die Korrosion ausgelöst. Eine Theorie, die schon deshalb Erstaunen auslösen muss, weil nur vereinzelte Gebäude betroffen waren, obwohl die gesamte Region RWW-Wasser erhält. Jedes Jahr schließt der Wasserversorger rund 350 Gebäude an sein Leitungsnetz an, von denen die Mehrzahl bisher mit Kupferleitungen ausgestattet war, da mutet es schon seltsam an, dass bei wenigen allein das Wasser die Korrosion auslösen soll. 

RWW nimmt das Thema ernst! Der Regionalversorger, an dem die Städte Mülheim, Bottrop, Gladbeck und Oberhausen beteiligt sind, ist selber auch aktiv geworden und hat vielzählige Untersuchungen und Maßnahmen eingeleitet, um mit zur Klärung beizutragen. Dabei ist man auf erstaunliche Parallelen zu Schadenfällen in anderen Regionen im Bundesgebiet und in den Niederlanden gestoßen. Das ist auch nicht verwunderlich, erklären doch Versicherungswirtschaft und der VDI Verein Deutscher Ingenieure, dass es sich bei Kupferkorrosion um ein bundesweites Thema handelt. RWW hat sich zudem Gutachten beschafft und Gerichtsurteile eingesehen. Darin wurde das Trinkwasser jeweils als Verursacher stets "frei" gesprochen. Dies kann deshalb nicht überraschen, weil Trinkwasser als das am besten kontrollierte Lebensmittel strenge Grenzwerte einhalten muss und von den Gesundheitsämtern engmaschig überwacht wird. Mit jährlich rund 4.000 Einzelwerten kontrolliert beispielsweise RWW die Qualität seines Trinkwassers allein im Dorstener Wasserwerk und angeschlossenem Verteilnetz. Über ein modernes Analyseprogramm und dessen Analyseergebnisse sind die zuständigen Gesundheitsämter bestens informiert und könnten bei Abweichungen direkt reagieren. Aber nicht RWW kontrolliert selbst, an vielen Stellen nehmen andere Einrichtungen wie zum Beispiel Krankenhäuser Wasserproben. RWW hat die Überwachungsbehörden auch auf die möglichen Ursachen zur Kupferkorrosion angesprochen. Wie gut das Trinkwasser sein muss, mag die Tatsache belegen, dass diese keine Auffälligkeiten erkannt haben.

Trotz intensiver Ursachensuche ist es bislang noch nicht gelungen, den Auslöser für die Kupferlochkorrosion zu finden. Als eine Theorie wird die Verwendung von halbhartem Kupfer als Rohrmaterial in der Hausinstallation diskutiert. Dieses Material kann bei ungünstigen Einflüssen anfällig sein. Auch die Fachwelt verweist stets darauf, dass nie nur ein Grund allein ursächlich sein kann. Versicherungsexperten sprechen häufig davon, dass es sich bei Kupferkorrosion um eine Systemeigenschaft handelt. Es ist demnach ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, wie Wasser, Werkstoff, Umgebung, Verarbeitung, Inbetriebnahme und Betrieb. Was können Hauseigentümer oder Installateur tun, um das Risiko zu minimieren? Fachleute empfehlen, in jedem Fall Stagnation in der Trinkwasserleitung zu verhindern und den Eintrag von Stoffen zu vermeiden. Gerade nach dem Einbau der Trinkwasserleitungen kann es passieren, dass Kondenswasser oder Sand in die Leitungen eindringt. Diese Stoffe können später die Lochkorrosion auslösen. Zudem sollte, nicht nur um diese Korrosion zu verhindern und die Qualität zu erhalten, das Wasser stets im Fluss bleiben.

Trotz aller Anstrengungen ist der Erfolg bisher ausgeblieben. Der Versorger RWW hat Verständnis für die Situation der Betroffenen, hält es aber für bedenklich, jetzt das Trinkwasser als Ursache zu diskreditieren. Gemeinsam mit anderen Experten wird RWW am 19. November auf einer Fachveranstaltung des VDI sein Wissen einbringen, um der Ursache näher zu kommen. Diese verantwortungsvolle Herangehensweise und Sachlichkeit erwartet RWW auch von anderen Beteiligten.  

Link zur VDI-Pressemitteilung zum Expertentreffen am 19. November 2015 in Düsseldorf

Vom Grundwasserwerk Dorsten-Holsterhausen werden die RWW-Kunden in Gladbeck, Oberhausen-Nord, Bottrop, Dorsten, Schermbeck und Raesfeld-Erle versorgt – insgesamt rund 350.000 Einwohner und Betriebe. Es ist seit 1927 in Betrieb und gewinnt Trinkwasser aus der Brunnengalerie Holsterhausen und der Üfter Mark. Die insgesamt mehr als 50 Brunnen beider Galerien fördern aus 80 bis 120 Meter Tiefe natürliches Grundwasser aus den Halterner Sanden.

Weitere Informationen:

Blog LebensraumWasser: "Kupferkorrosion in Trinkwasserleitungen – Experten weiter ratlos"

"Leitungswasserschäden, Problem ohne Ende", Dr. Georg Scholzen, Schadenprisma, 3/2010

25.10.2015