MERK’MAL startet in die Sammelphase

- seit dem 3. Juli gehört das Pipi in den Müll

Patienten, die in Mülheim an der Ruhr Röntgenkontrastmittel verabreicht bekommen, nehmen an einem Pilotprojekt zum Umwelt- und Gewässerschutz teil: MERK’MAL soll messbar dazu beitragen, die Einträge von Röntgenkontrastmitteln (RKM) in den Wasserkreislauf zu minimieren. Bis zum 29. Oktober sind alle Patientinnen und Patienten, die an einer der vier teilnehmenden medizinischen Einrichtungen in Mülheim Kontrastmittel verabreicht bekommen, aufgefordert, bei den ersten vier Toilettengängen nach der Untersuchung einen Urinbeutel zu verwenden. Die Beutel bekommen sie zusammen mit Infomaterial in den Kliniken bzw. Praxen ausgehändigt. Sie können nach dem Gebrauch im normalen Hausmüll entsorgt werden.

Vier Monate dauert die Sammelphase des Projektes, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) fachlich und finanziell gefördert wird. Durch Messungen an mehreren Standorten im Stadtgebiet wird in diesem Zeitraum kontrolliert, ob sich die RKM-Konzentration im Wasser verringert hat.

Welche medizinischen Einrichtungen machen mit?

Seit dem offiziellen Projektauftakt Anfang März haben sich die Partner intensiv auf die Sammelphase vorbereitet. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wasserforschung (IWW) in Mülheim und das Institut für Energie- und Umwelttechnik e.V. (IUTA) aus Duisburg haben die Messvorrichtungen installiert und Mitte Juni "Null-Messungen" durchgeführt, um die Ausgangswerte zu bestimmen. In den Kliniken und Praxen fanden Schulungen für das Personal statt. Zudem absolvierten die Einrichtungen einen mehrtägigen Testlauf, um das Projekt optimal in die täglichen Arbeitsabläufe einzupassen. Mit dabei sind:

  • das Evangelische Krankenhaus Mülheim
  • das St. Marien-Hospital
  • das Medizinische Versorgungszentrum Mülheim und 
  • die Radiologische Gemeinschaftspraxis Mülheim

Die Kliniken und Praxen werden während der Sammelphase exakt erfassen, welche Röntgenkontrastmittel in welchen Mengen verabreicht werden. Die Angaben sind für die Auswertung ebenso wichtig wie das Feedback der Patienten. Die bekommen mit den Urinbeuteln auch eine Antwort-Postkarte ausgehändigt, mit der sie portofrei und anonym zurückmelden können, ob sie die Beutel benutzt haben. Alternativ können sie ihr Feedback auch in einem geschützten Bereich auf der Projekt-Webseite www.merkmal-ruhr.de abgeben.

"Als Mülheimer haben wir eine besondere Beziehung zur Ruhr und eine besondere Verantwortung für den Umgang mit der Ressource Wasser", sagt Oberbürgermeister Ulrich Scholten, der die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen hat. "Es ist unsere Pflicht, stets darauf zu achten, dass wir unsere Umwelt nicht stärker belasten als unbedingt nötig und innovative Wege zu beschreiten, um die Belastung weiter zu senken." Scholten appelliert daher an die Mülheimer: "Bitte unterstützen Sie MERK’MAL durch Ihr Mitwirken! Der Aufwand und die Unannehmlichkeiten sind nur gering – der positive Effekt für unser Trinkwasser aber könnte signifikant und messbar sein."

Der Auftakt (v. l. n. r.): Dr. Wolf Merkel (IWW), Dr. Kai Naßenstein (St. Marien-Hospital), Dr. Claudia Mohr (MVZ), Ulrich Scholten (OB Stadt Mülheim an der Ruhr) und Dr. Franz-Josef Schulte (RWW) 

Die vier medizinischen Partner stehen derweil in den Startblöcken. "Wir machen aus zwei Gründen gerne mit", erklärt Prof. Dr. med. Heinz Jochen Gassel, Ärztlicher Direktor am Ev. Krankenhaus. "Erstens: Umweltrelevante Stoffe erst gar nicht in den Wasserkreislauf einzuspeisen, ist ein innovativer Ansatz. Was wir jetzt bei Röntgenkontrastmitteln lernen, kann sich zukünftig bei gefährlichen Stoffen als wertvoll erweisen. Und zweitens: Dieses Projekt fördert das Bewusstsein dafür, dass aktiver Umweltschutz jeden angeht." Auch das St. Marien-Hospital unterstützt MERK`MAL, "weil wir als Unternehmen auf Nachhaltigkeit und Innovationen setzen. Umweltschutz genießt bei uns einen hohen Stellenwert", betont Geschäftsführer Hubert Brams.   

Dr. Claudia Mohr, Fachärztin für Radiologie am Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ), verweist darauf, dass "wir alle gemeinsam Verantwortung für die Natur" tragen. "Wir möchten unseren Kindern eine lebenswerte und saubere Umwelt bieten. Daher wollen wir die Ruhr vor der Belastung mit Kontrastmitteln und anderen Stoffen durch den Menschen schützen." Wenn jeder Einzelne seinen Beitrag leiste, könne man schon durch eine unspektakuläre Maßnahme  wie die Verwendung der Pipi-Beutel einen großen Effekt erzielen. Dr. Armin Schmidt von der Radiologischen Gemeinschaftspraxis zeigt sich insbesondere aufgrund des Feedbacks aus der Testphase sehr zuversichtlich: "Unsere Patientinnen und Patienten beurteilen das Projekt durchweg positiv und finden es gut, dass sie auf vergleichsweise einfache Art und Weise zum Umweltschutz beitragen können. Diese Einstellung motiviert wiederum unser Praxisteam."