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MERK’MAL

Minimierung der Einträge von Röntgenkontrastmitteln Mülheim an der Ruhr

Die Ruhr mit ihrem Einzugsgebiet dient fast fünf Millionen Menschen als Naherholungs- und Freizeitregion und stellt die Trinkwasserversorgung für den Ballungsraum Ruhrgebiet sicher. Doch die Ruhr hat es inmitten von starker Besiedlung, Industrie und Landwirtschaft nicht leicht. Zwar haben die Bemühungen der vergangenen Jahrzehnte zu einer deutlichen Verbesserung der Ruhrwasserqualität geführt, doch wird das Auftreten von "neuen" und "alten" Spurenstoffen im Ruhr- und Trinkwasser kritisch beobachtet.

Hier kommt das Forschungsprojekt MERK'MAL ins Spiel, das sich dem Thema Röntgenkontrastmittel widmet.

Was bedeutet RKM?

Im Projekttitel steckt die Abkürzung RKM, das steht für Röntgenkontrastmittel. Das sind chemische Substanzen, die für manche Röntgenuntersuchungen eingesetzt werden. Patientinnen und Patienten bekommen dafür vor der Untersuchung RKM verabreicht und scheiden den größten Teil innerhalb von 24 Stunden mit dem Urin wieder aus. Die Herausforderung: RKM sind nur schwer biologisch abbaubar und werden in Kläranlagen nur geringfügig entfernt. Sie gelangen also in unsere Gewässer. Messergebnisse auch an der Ruhr belegen das.

Die Belastung mit Röntgenkontrastmitteln wird seit dem Jahr 2005 erfasst. Dabei wurden mit dem Flussverlauf zunehmende Konzentrationen von RKM im Ruhrwasser nachgewiesen. Ein Beispiel: Im Rohwasser des Wasserwerks Mülheim-Styrum/Ost werden abhängig von der Wasserführung der Ruhr Maximalkonzentrationen von mehr als drei Mikrogramm pro Liter dokumentiert.

Keine Panik: RKM sind für Mensch und Umwelt unschädlich

Aber: Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft haben RKM keine schädliche Wirkung auf Mensch oder Umwelt. Sie sind nicht giftig. Auch eine Anreicherung in Lebewesen, die sogenannte Bioakkumulation, ist nicht bekannt. Allerdings werden RKM durch Wasser gut transportiert. Somit sind sie ein Beispiel für menschengemachte Chemikalien, die in der aquatischen Umwelt (sprich: im Wasser) nahezu überall gefunden werden.

Was macht MERK’MAL?

Der einfachste und wirkungsvollste Ansatz, dies zu verhindern, liegt in der Eintragsvermeidung. Dazu können Patienten nach einer Untersuchung vorübergehend Urinbeutel benutzen. Die Beutel enthalten ein spezielles Sorptionsmittel, das den Urin in eine gelartige Masse verwandelt – aus flüssig wird fest. Der Beutel kann dann ganz einfach in der grauen Tonne entsorgt und in der Müllverbrennung rückstandslos vernichtet oder Recyclingverfahren zugeführt werden. Jeder radiologisch untersuchte Patient kann mitmachen und so die Wasserqualität verbessern.

Genau dieser Ansatz soll nun in Mülheim an der Ruhr erprobt werden. Von Juli bis Oktober 2017 sollen radiologisch untersuchte Patienten in Mülheim über ihren möglichen Beitrag zur Gewässerreinhaltung aufgeklärt werden, und geeignete Urinbeutel mit Hinweisen zur Anwendung erhalten.

Im Erfolgsfall wird MERK’MAL ausgeweitet

Im Erfolgsfall wird im Anschluss ein regionaler Roll-out vorbereitet, bei dem der Vermeidungsansatz auf das Einzugsgebiet der Ruhr ausgedehnt werden soll. Das Mülheimer Projekt könnte die Vorlage für neue Ansätze zur Verhinderung des Eintrags von Stoffen in den Wasserkreislauf liefern. Es leistet einen wertvollen Beitrag zum Schutz der kostbaren Ressource Wasser im Ruhrgebiet.