Kupferkorrosion

an Trinkwasserleitungen aus Kupfer stellen die betroffenen Hauseigentümer häufig vor ein Rätsel. Als Wasserversorger haben wir zwar auch keine Lösungen, aber für unsere Kunden einige Antworten auf gestellte Fragen zusammen gestellt. Die Antworten erheben weder den Anspruch auf Vollständigkeit, noch kann daraus ein wie immer auch geartete Verpflichtung auf Richtigkeit abgeleitet werden.

1. Gründe für das Entstehen der Kupferkorrosion

Korrosion ist im Grunde eine chemische bzw. elektrochemische Reaktion eines Materials mit Stoffen aus seinem Umfeld. Dies gilt auch für Kupfer. Es gibt eine Vielzahl von auslösenden Bedingungen wie zum Beispiel Materialfehler, Verarbeitungsfehler aber auch der Kontakt mit aggressiven Medien oder bei Kontakt mit edleren Materialien. Eine Sonderform kann auch eine durch Mikrobiologie verursachte Korrosion sein.    

Um Korrosion zu verhindern muss zunächst die Ursache bekannt sein. Es gibt einige Maßnahmen, die das Risiko des Auftretens von Kupferlochkorrosion mindern können. Hierzu zählen zum Beispiel die Vermeidung von Stagnationszonen schon bei der Planung, Sauberkeit bei der Erstellung und Erstinbetriebnahme, konstantem Betrieb mit ausreichendem täglichen Wasseraustausch vor allem in den ersten Betriebsmonaten. 

Vor einem Schadensereignis ist Lochkorrosion eigentlich nicht erkennbar. Unter Umständen kann man durch eine bestimmte Vorgehensweise bei analytischen Untersuchungen einen gestiegenen Kupfergehalt im Trinkwasser nachweisen. Dies ist jedoch kein sicherer Anhaltspunkt, da dieser Befund auch aus der erwünschten sogenannten Flächenkorrosion zur Schutzschichtbildung stammen kann.   

In Deutschland muss das Trinkwasser den Vorgaben der Trinkwasserverordnung entsprechen. Dort wird in Bezug auf die Korrosionswirkung auch die Einhaltung des Kalk-Kohlensäuregleichgewichtes gefordert. Im Regelfall ist ein Wasser, das Kalk nicht löst, auch gegenüber metallischen Werkstoffen in Bezug auf Korrosion unkritisch. In den technischen Regeln werden Wässer ab einem pH-Wert von 7,4 und größer als unkritische und bei Werten zwischen 7,0 bis 7,4 als bedingt geeignet beschrieben. Das RWW-Trinkwasser aus dem Wasserwerk Dorsten-Holsterhausen liegt mit seinem pH-Wert um 7,6 oberhalb von 7,4 und ist zudem stark kalkabscheidend. Dies widerspricht auch dem Ansatz, dass es der Auslöser der Korrosion sein könnte. Vor allem die Eigenschaft der Kalkabscheidung steht dieser Vermutung entgegen. 

Bekannte Ursachen sind Materialmängel, Lager-, Einbau- und/oder Betriebsfehler, die nicht nur die Bildung der natürlichen Schutzschicht in den Kupferleitungen verhindern, sondern die Korrosion dieses Werkstoffs fördern könnten.

Veränderungen des Trinkwassers sind stark reglementiert und dürfen nur nach Beantragung und Zustimmung der Aufsichtsbehörden vorgenommen werden. Im Regelfall würde die Einstellung des Kalk-Kohlensäuregleichgewichtes erfolgen, um eine möglicherweise bestehende Korrosionseigenschaft des Wassers zu beseitigen. Wenn das Trinkwasser der Auslöser der Lochkorrosion wäre, müsste erst der auslösende Faktor bekannt sein, um diesen dann zu verändern bzw. zu beseitigen. Grundsätzlich unterliegen die Wasserversorger in Deutschland dem Minimierungsgebot und dürfen nur solche Maßnahmen durchführen, die notwendig und sinnvoll sind.

2. Haftung

Treten an der Hausinstallation Schäden auf, haftet hierfür zunächst der Installateur, der die Leitung verlegt hat, aus dem mit dem Kunden geschlossenen Werkvertrag. Ist der Schaden an der Leitung hingegen auf das gelieferte Trinkwasser zurückzuführen, besteht eine Haftung des Wasserversorgungsunternehmens aus § 1 Produkthaftungsgesetz. Den Nachweis der Schadensursächlichkeit des Trinkwassers hat der Kunde zu führen.

Im Schadensfalle ist Ansprechpartner der Installateur, solange nicht die Schadensursächlichkeit des gelieferten Trinkwassers feststeht. Für den Anspruch sind die Verjährungsfristen zu beachten.

Die Übernahme entstandener Kosten durch den Wasserversorger nach einem Leitungsschaden setzt Kausalität zwischen geliefertem Trinkwasser und eingetretenem Schaden voraus. Solange die Kausalität nicht feststeht, besteht kein Anspruch auf Schadensersatz gegenüber dem Wasserversorger.

Hat der Kunde im Rahmen einer Gebäudeversicherung eine Leitungswasserversicherung abgeschlossen, ersetzt die Versicherung den durch die defekt gewordene Hausinstallationsleitung entstandenen Schaden einschließlich des Schadens an der Leitung selbst. Ist hingegen Hausrat vom Schaden betroffen, fällt dies in den Zuständigkeitsbereich der Hausratversicherung.

3. Vorsorge

Es gibt in Deutschland eine Vielzahl von zugelassenen Installationsmaterialien. Die Auswahl liegt in der Verantwortung des beauftragten Sanitärfachbetriebs. Hier finden Sie unsere Partnerbetriebe.

Von einer gängigen Methode der Innenrohrsanierung mit Epoxidharz rät der TÜV NORD eindringlich ab. Grund: Das eingesetzte Epoxidharz kann die gesundheitsgefährdende und krebserregende Chemikalie Bisphenol A (BPA) enthalten und in das Trinkwasser abgeben.

Diese Entscheidung muss das Fachunternehmen treffen, das die Installation einbaut. Das Fachunternehmen hat sich dabei an den Qualitätsdaten, die der Versorger zur Verfügung stellt, zu orientieren. 

Wer Sorge hat, dass Kupfer nicht geeignet sein könnte, findet Alternativen zum Kupfer. Auch bei dieser Entscheidung kann nur ein Fachunternehmen helfen.

Hierzu kann man keine eindeutige Aussage machen! Tatsache ist, dass diese Art der Korrosion eben nicht flächendeckend auftritt.

4. Verschiedenes

Es gibt keine Statistiken zu Kupferkorrosionsfällen. Die Versicherungen erfassen diese besonderen Schäden nicht, sondern fassen sie mit Leitungswasserschäden z.B. Rohrbrüchen, Dichtungsschäden u. ä. zusammen.

Fälle mit Kupferkorrosion sind bisher bundesweit in vielen Regionen bekannt geworden. So sind Fälle im Weserbergland, im Sauerland, im Siegerland, auf Sylt, in Oberfranken, am Ober- und Niederrhein, im Frankfurter Raum, in der Oberrheinischen Tiefebene und in den Niederlanden bekannt.

Das Gesundheitsamt ist lediglich für mögliche Überschreitungen des Grenzwertes für Kupfer im Trinkwasser zuständig. Hierbei gab es bisher jedoch keinen Anlass, da bei RWW im Verteilnetz bei keiner Untersuchung ein erhöhter Kupfer-Gehalt nachgewiesen wurde.

Die Anlage zur Dosierung von Phosphat, die im Wasserwerk Dorsten-Holsterhausen im Februar 2015 in Betrieb genommen wurde, dient ausschließlich dem Zweck, Rostwasserproblemen im Trinkwasser vorzubeugen. Diese Rostwasserbildungen stammen aus der natürlich und immer entstehenden Eisenkorrosion der Rohrinnenfläche bei ungeschützten Gussleitungen. Die Anlage und das eingesetzte Phosphatprodukt entsprechen den technischen Regeln, die für die Wasserversorger maßgeblich sind. Die Anlage wurde geplant, da es bei betrieblich notwendigen Änderungen der Fließrichtung des Wassers aber auch bei unvorhersehbaren Ereignissen wie z. B. Rohrbrüchen immer wieder zu Braunfärbung des Trinkwassers gekommen ist, die die Kunden als unangenehm empfanden. Die Phosphatierung soll dies verhindern helfen. Die Bezirksregierung Münster ist rechtzeitig über das Vorhaben informiert worden und hat nach Beteiligung des Gesundheitsamtes Recklinghausen dem Bau zugestimmt.

Wir zielen mit unseren Leistungen auf zufriedene Kunden und Partner ab. Bei an uns herangetragenen Fragestellungen, die außerhalb unseres Kompetenz- und Zuständigkeitsbereiches liegen und wir nicht selber klären können, suchen wir den Austausch auch mit externen Experten und Interessengruppen. So sind wir bisher auch bei der Frage der Kupferkorrosion in der Region Dorsten vorgegangen.

Unsere Maßnahmen im Einzelnen:

  • Unsere Qualitätssicherung ist natürlich für die Frage etwaiger Faktoren, die eine Kupferkorrosion begünstigen könnten, besonders sensibilisiert. Seit geraumer Zeit sind wir in einem intensiven Dialog mit den betroffenen Handwerksbetrieben im Raum Dorsten und unterstützen die Ursachenforschung.
  • Wir haben das IWW einbezogen, um den Wissensstand zu der Problematik kontinuierlich weiter zu entwickeln und auch unsere Erkenntnisse permanent kritisch zu hinterfragen. Bisher wurde sie ohne Einschränkung bestätigt.
  • Im Frühjahr 2015 haben wir im Rahmen unserer alljährlich stattfindenden Installateur-Schulungen auch die Schadensprävention im Hinblick auf Kupferkorrosion auf die Agenda genommen und zwei hochkarätigen Fachreferenten Gelegenheit gegeben, die Handwerker über die Risiken beim Einbau und Betrieb von Kupferleitungen zu informieren. In der Diskussion zum Abschluss der Veranstaltung erhielten wir für diese Vorgehensweise sehr positive Rückmeldungen von der Handwerkerschaft.
  • Anfang diesen Jahres haben wir eine Befragung von Wasserversorgungsunternehmen mit dem Ziel bilateraler Erfahrungsaustausche durchgeführt. Auch wenn die Resonanz aufgrund der offenkundigen Brisanz des Themas unter unseren Erwartungen geblieben ist, haben sich doch einige ähnlich Betroffene mit uns in Verbindung gesetzt und um einen Gedankenaustausch gebeten. Die ersten daraus resultierenden Gespräche sind bereits terminiert.
  • Gemeinsam mit Vertretern der Versicherungswirtschaft haben wir versucht, aus der Schadensstatistik Schlussfolgerungen für die Kausalzusammenhänge abzuleiten. Die Versicherungen verweisen aber ihrerseits auf die multikausalen Zusammenhänge bei der Entstehung der Kupferkorrosion. In Fachbeiträgen spricht man hierbei davon, dass es sich bei der "Kupferkorrosion um eine Systemeigenschaft" handelt. Siehe auch: "Leitungswasserschäden, Problem ohne Ende", Dr. Georg Scholzen, Schadenprisma, 3/2010.
  • RWW ist bestrebt, über den Fachverband DVGW ein Forschungsprojekt zur Klärung der Thematik mit zu unterstützen. Das Forschungsprojekt "Untersuchungen zur Aufklärung von neuartigen Schäden durch Lochkorrosion an Trinkwasserinstallationen aus Kupfer" befindet sich beim DVGW in der Beantragungsphase.
  • Am 3. November 2014 haben wir in Mülheim an der Ruhr mit Vertretern des Deutschen Kupferinstituts einen Erfahrungsaustausch eingeleitet. Dabei wurde bestätigt, dass Schäden an Kupferrohren bundesweit auftreten. Diese Einschätzung des DKI wurde auch von der Expertin und Gutachterin Dr. Angelika Becker vom IWW bestätigt. In diesem Zusammenhang wurde auf weitere Fälle mit ähnlichen Schadenbildern verwiesen und auf den für die Analyse der Schadenbilder und Ursachenforschung notwendige Zugriff auf Asservate aus betroffenen Objekten. Bedauerlicherweise ist dieser Dialog nicht fortgesetzt worden. Sicher hätte dafür in der Teilnahme von RWW an der "Diskussionsrunde mit Experten aus Wasserwirtschaft, Industrie und Verbänden" am 20. August 2015 in Bonn eine gute Gelegenheit bestanden. Gegebenenfalls hätten wir mit unseren Erkenntnissen einen Beitrag leisten können. Dass wir erst aus der Presse davon erfahren haben, hält uns allerdings nicht davon ab, auch weiterhin konstruktiv im Rahmen unserer Möglichkeiten zur Ursachenforschung beizutragen. Dabei ist uns an einem zielorientierten, konstruktiven Austausch gelegen.
  • Gemeinsam mit weiteren Experten wird RWW am 19. November auf einer Fachveranstaltung des VDI Verein Deutscher Ingenieure sein Wissen einbringen, um der Ursache näher zu kommen.