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Grundwasser ist mit circa 62 Prozent die meistgenutzte Rohwasserressource zur Trinkwassergewinnung in Deutschland. Bedingt durch den Klimawandel kommt es allerdings schon heute und zukünftig vermehrt zu langanhaltenden Trockenzeiten und abnehmenden Grundwasserständen. Gleichzeitig nehmen die Nutzungskonflikte um die begrenzten Grundwasservorkommen mit der Industrie, Landwirtschaft und Natur ständig zu. Als weitere Wasserressourcen werden neben dem Grundwasser auch Talsperren und Flüsse genutzt, die jedoch in den letzten Hitzejahren vermehrt „quantitativem Stress“ ausgesetzt waren und daher weniger Wasser führten.

Um eine quantitativ und qualitativ einwandfreie Wasserversorgung nachhaltig sicherzustellen, bedarf es folglich einer wissenschaftlichen Bewertung von alternativen Wasserressourcen. Dazu zählen auch die heimischen Schifffahrtskanäle wie der Wesel-Datteln-Kanal. Dieser ist für RWW von besonderem Interesse, da er zur langfristigen Sicherung der Trink- und Brauchwasserversorgung genutzt werden könnte.

Wesel-Datteln-Kanal als alternative Wasserressource?

Die Nutzung von Kanalwasser ist allerdings mit einigen Herausforderungen verbunden. Schließlich handelt es sich bei Kanälen um fast stehende Gewässer, die im Gegensatz zu Flüssen, Seen und Talsperren gewässerkundlich kaum überwacht werden. Kanalwasser ist zwar vor direkten Abwassereinleitungen geschützt, es wird allerdings von der Qualität der eingespeisten Flusswässer und dem regionalen Klima geprägt. Im Sommer erhöhte Temperaturen des Kanalwassers können nach Versickerung die Grundwassertemperatur erhöhen, wodurch es zu physikalischen, chemischen und mikrobiologischen Veränderungen kommen kann.

Für eine Erstbewertung der Wasserbeschaffenheit des Wesel-Datteln-Kanals kooperiert RWW mit der Universität Münster und beauftragte zwei wissenschaftliche Untersuchungen. Eine Masterstudentin (Foto) im Bereich Wasserwissenschaften an der Uni Münster absolviert bei RWW ein dreimonatiges Praktikum. Im Rahmen ihrer Masterarbeit beschäftigt sie sich mit der Untersuchung biologischer und physikochemischer Parameter des Wesel-Datteln-Kanals. Ein weiterer Masterstudent im Bereich Angewandte Geologie an der Uni Münster, untersucht die Belastung der Kanalwässer mit organischen (u. a. Arzneistoffe, Pestizide und Industriechemikalien) und anorganischen (u. a. Schwermetalle) Schadstoffen. Unsere wasserwirtschaftlichen Expert*innen bewerten anschließend die Ergebnisse der beiden Arbeiten bezüglich der Eignung des Kanalwassers zur Grundwasseranreicherung sowie der Nutzbarkeit für die Wasserversorgung, Landwirtschaft und Industrie und entscheiden, ob ggf. weiterführende wissenschaftlichen Untersuchungen notwendig sind.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass die Grundwasseranreicherung mit Kanalwasser ein Lösungsansatz für eine langfristig nachhaltige Grundwassernutzung sein kann, wenn die Aufbereitung und Versickerung gezielt an die Besonderheiten des Kanalwassers angepasst wird.